Veröffentlicht am März 15, 2024

Ein Total-Buy-out ist keine Niederlage, sondern Ihre Chance auf den höchsten Gewinn, wenn er strategisch verhandelt wird.

  • Quantifizieren Sie den Kampagnenwert für den Kunden, statt nur starre Multiplikatoren anzuwenden.
  • Verpacken Sie den Buy-out als „Gold-Paket“ in einer gestaffelten Angebotsstruktur, um den Preis zu verankern.

Empfehlung: Behandeln Sie den Buy-out als Ihr exklusivstes Premium-Produkt und preisen Sie alle damit verbundenen Risiken und entgangenen Chancen konsequent und transparent ein.

Die Anfrage kommt oft beiläufig am Ende eines vielversprechenden Briefings: „Ach ja, eine Sache noch: Wir benötigen für die Aufnahmen einen Total-Buy-out.“ Für viele Fotografen ist dies der Moment, in dem die anfängliche Euphorie einer kalten Ernüchterung weicht. Die Forderung nach dem „ewigen“ und „allumfassenden“ Nutzungsrecht fühlt sich wie ein Ausverkauf der eigenen kreativen Arbeit an, bei dem man nur verlieren kann. Grosse Unternehmen argumentieren dabei oft mit internen Richtlinien oder der scheinbaren Einfachheit, sich nie wieder um Lizenzen kümmern zu müssen.

Die gängigen Ratgeber empfehlen oft, solche Deals zu meiden, auf begrenzte Lizenzen zu bestehen oder verweisen pauschal auf Standardtabellen. Doch was, wenn der Kunde ein grosser, wichtiger Konzern ist und auf seiner Forderung beharrt? Die wahre Kunst liegt nicht darin, den Buy-out zu verweigern, sondern ihn zu meistern. Was wäre, wenn wir die Perspektive wechseln? Wenn der Total-Buy-out nicht das Problem, sondern die profitabelste Lösung in Ihrem Portfolio wäre? Der Schlüssel liegt darin, ihn nicht als Verlust, sondern als Ihr absolutes Premium-Produkt zu begreifen – mit einem entsprechenden Preisschild.

Dieser Leitfaden ist eine strategische Anleitung für genau diese Situation. Er zeigt Ihnen, wie Sie den wahren Wert Ihrer Bilder für den Kunden quantifizieren, Risiken als „Risikoprämie“ einpreisen, eine unangreifbare Verhandlungsbasis schaffen und den Kunden davon überzeugen, dass Qualität und Flexibilität ihren Preis haben. Sie lernen, die Kontrolle über das Gespräch zurückzugewinnen und aus einer gefürchteten Forderung eine lukrative Geschäftsmöglichkeit zu machen.

Um diese anspruchsvolle Verhandlung erfolgreich zu meistern, werden wir die entscheidenden Hebel systematisch beleuchten. Der folgende Überblick strukturiert die strategischen Bausteine, die Sie benötigen, um einen Buy-out souverän zu kalkulieren und zu verkaufen.

Wie schätzt man ab, welchen monetären Wert die Kampagne für den Kunden generiert?

Die grösste Falle bei der Buy-out-Kalkulation ist, nur vom eigenen Aufwand auszugehen. Der entscheidende Hebel ist die Wertquantifizierung: Welchen Gewinn oder welches Einsparungspotenzial generiert Ihre Arbeit für den Kunden? Ein Bild, das als Herzstück einer millionenschweren Werbekampagne dient, hat einen fundamental anderen Wert als ein Foto für eine interne Broschüre. Fragen Sie den Kunden gezielt nach dem Einsatzkontext: Wo werden die Bilder geschaltet? Welches Werbebudget steht dahinter? Welches Ziel verfolgt die Kampagne?

Ein eindrückliches Beispiel aus der Praxis zeigt die Dimensionen auf. In der kommerziellen Fotografie ist es nicht unüblich, dass ein Model mit einer Tagesgage von 1.500 € durch umfassende Buyouts für eine grosse Kampagne am Ende auf eine Gesamtvergütung von 8.000 bis 10.000 € kommt. Diese Summe spiegelt nicht den Arbeitstag wider, sondern den immensen Wert, den das Gesicht des Models für den Erfolg der Kampagne hat. Dieselbe Logik gilt für Ihre Fotos. Ihr Preis muss den Wert für den Kunden reflektieren, nicht nur Ihre Produktionskosten.

Die Faktoren der MFM (Mittelstandsgemeinschaft Foto-Marketing) sind ein exzellenter Startpunkt, um eine strukturierte Kalkulation aufzubauen. Betrachten Sie sie jedoch nicht als starres Gesetz, sondern als anpassbares Werkzeug. Die Multiplikatoren für Nutzungsart, -dauer und -gebiet sind die Bausteine. Ihr Verhandlungsgeschick und Ihre Analyse des Kundenwerts bestimmen, wie hoch die Basis ist, auf die diese Faktoren angewendet werden. Ein „unbegrenzter“ Buy-out ist dabei nicht einfach ein hoher Faktor, sondern eine strategische Entscheidung, die alle potenziellen zukünftigen Einnahmen durch dieses Bild mit einpreisen muss.

Welche Klausel schützt Sie davor, dass Ihr Bild in einem rufschädigenden Kontext genutzt wird?

Ein Total-Buy-out birgt ein erhebliches, oft übersehenes Risiko: den Kontrollverlust. Was passiert, wenn Ihr hochwertiges Imagefoto plötzlich in einer Kampagne für ein umstrittenes Produkt oder im Zusammenhang mit einer negativen politischen Aussage auftaucht? Ein solcher Einsatz kann nicht nur Ihre Reputation als Fotograf beschädigen, sondern auch zukünftige Aufträge kosten. Dieses Risiko muss vertraglich und preislich abgesichert werden. Die Lösung ist die Aufnahme einer Schutzklausel (oder „Kontextklausel“) in Ihren Vertrag.

Detailaufnahme von Vertragsverhandlung mit symbolischen Schutzelementen für Fotografenrechte

Eine solche Klausel legt fest, dass die Nutzung der Bilder in rufschädigenden, illegalen, diskriminierenden oder politisch extremen Kontexten explizit untersagt ist. Dies gibt Ihnen eine rechtliche Handhabe, falls Ihre Arbeit missbraucht wird. Es ist wichtig zu verstehen, dass Sie als Urheber auch bei einem Buy-out bestimmte Persönlichkeitsrechte behalten. Ein Total-Buy-out ist nicht immer unumstösslich, wie Experten betonen.

Im Einzelfall kann ein Total Buyout sogar rechtswidrig sein, wenn es sich um eine ‚unangemessene Benachteiligung‘ (gem. § 307 BGB) handelt oder gegen den Grundsatz des Urheberrechts verstösst (§ 32 Abs. 1 UrhG: ‚Anspruch auf angemessene Vergütung‘).

– Modelkompass.de, Buyouts und Bildnutzung Ratgeber

Diese rechtliche Grundlage stärkt Ihre Verhandlungsposition. Argumentieren Sie professionell: Sie schützen nicht nur Ihre eigene Reputation, sondern auch die Integrität der Marke des Kunden, indem Sie sicherstellen, dass die Bilder in einem positiven Umfeld verbleiben. Die Aufnahme dieser Klausel sollte nicht verhandelbar sein. Sie ist Teil Ihrer professionellen Risikoprämie, die im Buy-out-Preis enthalten ist.

Wie verpackt man den Buy-out im Tagessatz, damit der Kunde nicht erschrickt?

Die reine Nennung eines hohen fünf- oder sechsstelligen Betrags für einen Buy-out kann selbst bei grossen Kunden zu einem Schockmoment führen und die Verhandlung blockieren. Der Schlüssel liegt in der strategischen Preispräsentation, bekannt als Preis-Ankerung. Statt eine einzige, massive Summe zu nennen, präsentieren Sie eine gestaffelte Angebotsstruktur mit mindestens drei Paketen: Bronze, Silber und Gold. Der Total-Buy-out ist dabei immer das „Gold“-Paket – das teuerste und umfassendste.

Diese Methode nutzt einen psychologischen Effekt: Der extrem hohe Preis des Gold-Pakets dient als Anker. Er lässt das mittlere „Silber“-Paket (z.B. eine grosszügige, aber zeitlich oder räumlich begrenzte Lizenz) plötzlich sehr vernünftig und preiswert erscheinen. Oft entscheiden sich Kunden dann für diese Option, was Ihr ursprüngliches Ziel war. Falls der Kunde dennoch den Buy-out wählt, hat der hohe Preis eine psychologische Rechtfertigung, da er als Premium-Option klar deklariert wurde.

Drei-Pakete-Strategie für Buy-out Preisgestaltung
Paket Nutzungsumfang Preisfaktor Beispiel bei 2000€ Tagessatz
Bronze Regional, 1 Jahr, einfache Nutzung 0,5x 3000€ total
Silber Deutschlandweit, 1 Jahr, grosse Auflage 1x 4000€ total
Gold (Buy-out) Zeitlich, räumlich, inhaltlich unbegrenzt 1-3x 4000-8000€ total

Diese transparente Aufschlüsselung ist in der Branche etabliert und schafft Vertrauen. Modelagenturen praktizieren dies seit Jahren erfolgreich, indem sie für zusätzliche Länder oder Nutzungsarten klare Aufschläge berechnen, die oft 100% oder mehr der Tagesgage betragen. Indem Sie dem Kunden die Wahl lassen, geben Sie ihm das Gefühl der Kontrolle, während Sie gleichzeitig den Wert Ihrer verschiedenen Lizenzpakete klar kommunizieren. Der Buy-out wird so nicht zu einer erzwungenen Forderung, sondern zu einer bewussten, hochpreisigen Kaufentscheidung.

Warum ein Buy-out Sie daran hindern kann, das Bild im eigenen Portfolio zu zeigen?

Einer der höchsten, aber am wenigsten beachteten Kosten eines Total-Buy-outs ist der Verlust der Eigenwerbung. Ihr Portfolio ist Ihr wichtigstes Akquise-Instrument. Wenn ein Kunde die exklusiven, weltweiten und ewigen Rechte erwirbt, kann das vertraglich auch das Recht umfassen, Ihnen die Nutzung für Ihr eigenes Portfolio zu untersagen. Sie hätten dann brillante Arbeit für einen Top-Kunden geschaffen, die Sie niemandem zeigen dürfen – ein massiver Nachteil für Ihr zukünftiges Geschäft.

Dieses Recht müssen Sie proaktiv verteidigen. Es ist ein entscheidender Verhandlungs-Hebel. Viele erfahrene Fotografen bestehen selbst bei einem Full-Buy-out auf einer Klausel, die ihnen die Nutzung zur Eigenwerbung gestattet, oft nach einer vereinbarten Sperrfrist (z.B. 6 Monate nach Kampagnenstart). Dies ist ein fairer Kompromiss, der dem Kunden Exklusivität für den Kampagnen-Launch sichert, Ihnen aber nicht Ihr wichtigstes Marketing-Asset stiehlt.

In den häufigsten Fällen behalte ich mir das Recht vor, mit den Bildern Eigenwerbung zu betreiben. Dies ist in den AGB festgehalten und gilt selbst bei Full-Buyout.

– Boris Baldinger, Nutzungsrecht und Lizenzierung Praxisleitfaden

Sollte der Kunde strikt darauf bestehen, dass Sie die Bilder nicht zeigen dürfen, muss sich dieser Verzicht massiv im Preis niederschlagen. Quantifizieren Sie den Verlust: Was würde es Sie kosten, eine vergleichbar hochwertige Arbeit speziell für Ihr Portfolio zu produzieren? Diese Summe ist Teil Ihrer Risikoprämie für den Buy-out. Argumentieren Sie klar: „Wenn ich diese Arbeit nicht zeigen kann, entgehen mir potenzielle Folgeaufträge. Dieser wirtschaftliche Nachteil muss im Buy-out-Preis berücksichtigt werden.“

Plan d’action : Portfolio-Rechte erfolgreich sichern

  1. Klären Sie, dass der Fotograf auch bei einem Buy-out Urheber bleibt und die Urheberpersönlichkeitsrechte nicht übertragbar sind.
  2. Definieren Sie eine realistische Sperrfrist für Ihre Eigenwerbung (z.B. 3-6 Monate nach der Erstveröffentlichung durch den Kunden).
  3. Lassen Sie sich das Recht zur Nutzung für Eigenwerbung (Website, Portfolio, Social Media, Wettbewerbe) explizit im Vertrag bestätigen.
  4. Vereinbaren Sie eine Kennzeichnungspflicht, falls die Bilder durch Dritte (z.B. die Werbeagentur des Kunden) stark bearbeitet werden.
  5. Stellen Sie klar, dass vom Kunden bearbeitete Versionen bei Ihrer Nutzung als solche deklariert werden müssen, um Ihre Bildsprache zu schützen.

Das Risiko fehlender Model-Release-Verträge bei ausscheidenden Mitarbeitern

Ein besonders heikles Feld für Buy-out-Forderungen ist die Mitarbeiterfotografie. Unternehmen lieben die Idee, Bilder ihrer echten Mitarbeiter „für immer und überall“ nutzen zu können. Doch hier lauert eine rechtliche Zeitbombe: Was passiert, wenn ein abgebildeter Mitarbeiter das Unternehmen verlässt – möglicherweise im Streit? Ein Standard-Mitarbeitervertrag deckt eine umfassende, kommerzielle Nutzung der Bilder oft nicht ab. Der ehemalige Mitarbeiter könnte die weitere Nutzung seines Bildes untersagen und auf Unterlassung klagen.

Für den Kunden bedeutet dies ein enormes Risiko. Eine teure Werbekampagne müsste gestoppt, Broschüren eingestampft und die Website überarbeitet werden. Als Fotograf ist es Ihre Pflicht, auf dieses Risiko hinzuweisen und eine professionelle Lösung anzubieten: separate Model-Release-Verträge für jeden abgebildeten Mitarbeiter, die den Umfang der Nutzung (den Buy-out) klar regeln und eine angemessene Vergütung dafür vorsehen. Die branchenübliche Kalkulation sieht vor, dass sich Buyouts meist prozentual an der Tagesgage des Models orientieren, eine Logik, die auch auf Mitarbeiter übertragbar ist.

Dieser proaktive Hinweis positioniert Sie als strategischen Partner, nicht nur als Dienstleister. Sie schützen den Kunden vor zukünftigen Kosten und rechtlichen Auseinandersetzungen. Die Kosten für diese zusätzlichen Releases und die damit verbundene Vergütung an die Mitarbeiter sind ein weiterer Posten, der auf das Gesamtangebot aufgeschlagen wird. Sie verkaufen nicht nur Bilder, sondern eine rechtssichere Gesamtlösung. Ein Buy-out für Mitarbeiterfotos ohne lückenlose Model-Releases ist grob fahrlässig – und ein starkes Argument für Sie in der Preisverhandlung.

Checkliste: Wasserdichte Model-Releases für Mitarbeiter

  1. Regeln Sie die Buyout-Klausel explizit in einer separaten Model-Release-Vereinbarung, nicht nur im Arbeitsvertrag.
  2. Definieren Sie den genauen Zeitraum der Nutzung (z.B. 10 Jahre oder unbegrenzt) und die Konsequenzen für die Vergütung.
  3. Legen Sie die geografischen Nutzungsgebiete (z.B. DACH, Europa, weltweit) unmissverständlich fest.
  4. Klären Sie alle medialen Umgebungen (Print, Online, TV, Social Media, interne/externe Nutzung), in denen die Veröffentlichung erfolgen darf.
  5. Bauen Sie eine Klausel für die Möglichkeit einer nachträglichen Erweiterung der Nutzungsrechte gegen eine zusätzliche, definierte Vergütung ein.

Wie überzeugt man Kunden davon, dass eine begrenzte Lizenz für sie günstiger ist?

Manchmal ist die beste Verteidigung der Angriff. Statt passiv auf die Buy-out-Forderung zu reagieren, können Sie das Gespräch aktiv lenken und dem Kunden aufzeigen, warum eine präzise definierte, begrenzte Lizenz oft die intelligentere und wirtschaftlichere Lösung für ihn ist. Der Kern Ihrer Argumentation lautet: „Warum für etwas bezahlen, das Sie niemals nutzen werden?“

Ein Total-Buy-out ist wie der Kauf eines riesigen All-inclusive-Buffets, obwohl man nur Appetit auf ein Steak hat. Fragen Sie den Kunden: „Planen Sie wirklich, dieses Bild in zehn Jahren noch in einer weltweiten Kampagne in Japan zu verwenden? Ist es nicht wahrscheinlich, dass sich Ihr Corporate Design, Ihre Produkte und Ihre Marketingstrategie bis dahin geändert haben?“ Die meisten Kampagnen haben einen Lebenszyklus von ein bis drei Jahren. Eine Lizenz, die genau diesen Zeitraum und die relevanten Länder abdeckt, ist für den Kunden deutlich günstiger und erfüllt zu 100 % seinen tatsächlichen Bedarf.

Hier kommt Ihre gestaffelte Angebotsstruktur (siehe Preis-Ankerung) ins Spiel. Indem Sie die Kosten transparent gegenüberstellen, wird der finanzielle Vorteil einer begrenzten Lizenz offensichtlich. Untermauern Sie Ihre Preisgestaltung mit Verweisen auf Branchenstandards. Die MFM-Bildhonorare sind hier ein mächtiges Werkzeug, da sie nicht willkürlich sind. Wie die Praxis zeigt, werden die jährlichen MFM-Erhebungen von Gerichten als Massstab bei urheberrechtlichen Streitigkeiten herangezogen. Dies verleiht Ihrer Kalkulation Autorität und zeigt, dass Sie keine Fantasiepreise aufrufen.

Ein Kunde, der sich verstanden und gut beraten fühlt, ist eher bereit, eine faire Vergütung zu akzeptieren. Indem Sie ihm helfen, Geld zu sparen und gleichzeitig seine Ziele zu erreichen, wandeln Sie sich vom Verkäufer zum Berater. Diese partnerschaftliche Position ist in jeder Verhandlung Gold wert.

DACH oder Weltweit: Wie kalkuliert man den Aufpreis für internationale Nutzung?

Die geografische Ausweitung ist einer der grössten Kostentreiber bei Nutzungsrechten. Ein Bild, das nur in Deutschland genutzt wird, hat einen Bruchteil des Wertes eines Bildes in einer globalen Kampagne. Die Kalkulation dieser Aufpreise sollte nicht aus dem Bauch heraus erfolgen, sondern auf nachvollziehbaren Modellen basieren. In der Branche haben sich dafür bewährte Multiplikatoren etabliert.

Die Logik dahinter ist einfach: Je grösser und wirtschaftlich stärker eine Region ist, desto höher ist die potenzielle Reichweite und der kommerzielle Wert der Kampagne – und damit auch der Wert Ihrer Bilder. Eine gängige Faustregel in der deutschen Praxis ist die Staffelung 1x für national (Deutschland), 3x für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz), 5x für Europa und 7x für eine weltweite Nutzung, jeweils bezogen auf das Basishonorar. Diese Faktoren sind ein starker Ausgangspunkt für Ihre Verhandlung.

Interessanterweise gibt es internationale Unterschiede, die Sie kennen sollten. Die amerikanischen Schauspielergewerkschaften (SAG-AFTRA) verwenden beispielsweise andere, oft noch höhere Faktoren. Die Kenntnis dieser unterschiedlichen Modelle verleiht Ihnen zusätzliche Flexibilität und Argumentationsstärke, insbesondere bei Verhandlungen mit internationalen Konzernen.

Internationale Buyout-Faktoren nach SAG-AFTRA und deutscher Praxis
Region US-Faktor (SAG-AFTRA) Deutsche Praxis Beispiel bei 1000€ Basis
National 1x 1x 1000€
DACH-Region 3x 3000€
Europa 2x 5x 5000€
Weltweit 9x Session-Honorar 7x 7000€

Einige Agenturen gehen sogar noch einen Schritt weiter und passen ihre Buyout-Listen an das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der jeweiligen Länder an. Dies ist die ultimative Form der Wertquantifizierung. Sie können dieses Argument nutzen, um Ihre Preisstaffelung zu rechtfertigen: „Die Nutzung in den USA hat aufgrund der Marktgrösse und Kaufkraft einen ungleich höheren Wert als die Nutzung in einem kleineren Markt. Unser Preis reflektiert diesen Mehrwert für Ihre Kampagne.“

Das Wichtigste in Kürze

  • Vom Kosten- zum Wertdenken: Berechnen Sie den Preis nicht nach Ihrem Aufwand, sondern nach dem Wert, den Ihr Bild für die Kampagne des Kunden generiert.
  • Risikoprämie einpreisen: Ein Total-Buy-out bedeutet für Sie Kontrollverlust, Reputationsrisiko und entgangene Chancen (Portfolio). Diese Risiken müssen im Preis als Prämie enthalten sein.
  • Strategische Preis-Ankerung: Strukturieren Sie Ihr Angebot in Paketen (Bronze, Silber, Gold). Der Buy-out ist die teure Gold-Option, die begrenzte Lizenzen attraktiver macht oder ihren eigenen hohen Preis rechtfertigt.

Warum der wahre Wert Ihrer Arbeit oft erst in der Zukunft liegt

Der Titel dieses Abschnitts mag provokant klingen, aber er zielt auf den Kern der Buy-out-Problematik: die fundamentale Unterschätzung des langfristigen Werts kreativer Arbeit. Die Forderung nach einem Total-Buy-out basiert oft auf der Annahme, der Wert eines Bildes sei heute vollständig absehbar. Die Realität beweist immer wieder das Gegenteil. Ein heute produziertes Mitarbeiterfoto kann in zwei Jahren zum zentralen Element einer millionenschweren Recruiting-Kampagne werden, die dem Unternehmen hilft, Top-Talente zu gewinnen und enorme Kosten zu sparen. Haben Sie diesen zukünftigen Wert in Ihrem ursprünglichen Preis berücksichtigt?

Die Rechtsgeschichte ist voll von Beispielen, bei denen der Erfolg einer Nutzung die ursprüngliche Vergütung weit übertroffen hat. Gerade wie aktuelle Grundsatzurteile zeigen, können Fotografen unter bestimmten Umständen sogar eine Nachvergütung einklagen, wenn ein Werk unerwartet erfolgreich wird – etwa bei einem Kochbuch-Bestseller. Ein Total-Buy-out ist der Versuch, genau diesen Anspruch auf eine faire Beteiligung am Erfolg von vornherein auszuschliessen.

Dies ist Ihr stärkstes finales Argument. Es geht nicht um Gier, sondern um Fairness und Partnerschaft. Ihre Aufgabe als Verhandlungscoach für sich selbst ist es, den Kunden über diesen Wert aufzuklären. Viele Kunden sind sich des Aufwands und des strategischen Werts einer Fotoproduktion nicht bewusst.

Die Kunden wissen oftmals gar nicht, welcher Aufwand hinter einer Fotoproduktion steckt. Das muss erklärt und vermittelt werden. Insgesamt wünsche ich mir von Kundenseite mehr Verständnis und Wertschätzung.

– Dorothe Lanc, BFF-Justiziarin im Interview

Ein Total-Buy-out ist die teuerste Lizenz, weil er die gesamte potenzielle Zukunft eines Bildes kauft – eine Zukunft, die niemand genau vorhersagen kann. Ihre Aufgabe ist es, für dieses unbegrenzte Potenzial und das damit verbundene Risiko den höchstmöglichen, fairen Preis zu verlangen.

Bewaffnet mit diesen Strategien, sind Sie kein Bittsteller mehr, sondern ein souveräner Geschäftspartner. Beginnen Sie noch heute damit, den wahren Wert Ihrer Arbeit zu definieren und ihn selbstbewusst als Ihr exklusivstes Premium-Produkt einzufordern.

Geschrieben von Viktoria Stein, Strategische Bildberaterin und Werbefotografin für Corporate Communications. Expertin für Bildrechte, Lizenzmanagement und effiziente Agentur-Workflows.