
Schlechte Mitarbeiterfotos sind keine Geschmacksfrage, sondern ein direkter Kostentreiber, der das Vertrauen von Top-Bewerbern untergräbt und Ihr Unternehmen rechtlichen Risiken aussetzt.
- Authentische, professionelle Fotos sind ein messbarer ROI-Hebel, der die Anzahl qualifizierter Bewerbungen signifikant erhöhen kann.
- Fehlende rechtliche Absicherungen wie Model-Release-Verträge stellen ein ernstzunehmendes finanzielles und operatives Risiko dar.
Empfehlung: Behandeln Sie Ihre Mitarbeiterfotografie nicht als kreativen Posten, sondern als strategisches Asset-Management, um Kosten zu senken, Risiken zu kontrollieren und Ihre Arbeitgebermarke gezielt zu stärken.
Sie investieren Tausende von Euro in Recruiting-Plattformen, optimieren Stellenanzeigen und führen zeitintensive Interviews. Doch ein entscheidender Faktor, der oft übersehen wird, kann diese Bemühungen im Keim ersticken: das Mitarbeiterfoto. Viele Unternehmen begnügen sich mit schnell geschossenen Bildern oder – schlimmer noch – sterilen Stockfotos, ohne die weitreichenden finanziellen Konsequenzen zu bedenken. Die gängige Meinung lautet oft, es gehe primär um „Authentizität“, und man solle einfach „echte Mitarbeiter“ zeigen. Doch dieser Ratschlag ist gefährlich unvollständig.
Die Debatte um Mitarbeiterfotos ist weitaus komplexer. Sie berührt Aspekte der Markenwahrnehmung, der rechtlichen Absicherung und der operativen Effizienz. Was, wenn die wahre Trennlinie nicht zwischen „authentisch“ und „gestellt“ verläuft, sondern zwischen „strategischem visuellen Asset“ und „kostspieligem Risiko“? Ein schlechtes Foto ist nicht nur ein ästhetisches Ärgernis; es ist ein Konversions-Killer im „War for Talents“ und eine potenzielle rechtliche Zeitbombe. Es sendet subtile, aber starke Signale über Ihre Unternehmenskultur, Ihre Professionalität und Ihre Wertschätzung gegenüber den eigenen Leuten.
Dieser Artikel bricht mit der oberflächlichen Diskussion und beleuchtet Mitarbeiterfotografie aus der Perspektive eines Business-Managers. Wir werden nicht nur zeigen, warum schlechte Fotos teuer sind, sondern auch, wie jede Entscheidung – von der Wahl des Hintergrunds über das Licht-Setup bis hin zur Vertragsgestaltung – zu einem messbaren ROI-Hebel wird. Sie werden lernen, Ihre Mitarbeiterfotos als das zu behandeln, was sie sein sollten: eine strategische Investition in Ihr wertvollstes Gut, Ihre Marke und Ihr Team.
Um diese strategische Perspektive in die Praxis umzusetzen, gliedert sich dieser Leitfaden in acht Kernbereiche, die jeweils eine kritische Geschäftsentscheidung im Prozess der Mitarbeiterfotografie darstellen.
Sommaire : Ein strategischer Leitfaden zur Mitarbeiterfotografie als Business-Asset
- Warum sterile Stockfotos das Vertrauen potenzieller Bewerber zerstören?
- Wie organisiert man ein Shooting für 50 Mitarbeiter an einem Tag ohne Betriebsunterbrechung?
- Studio-Hintergrund oder Arbeitsumgebung: Was passt besser zu einem Tech-Startup?
- Das Risiko fehlender Model-Release-Verträge bei ausscheidenden Mitarbeitern
- Wie passt man Business-Porträts für LinkedIn, Website und Print-Broschüren optimal an?
- Softbox oder Beauty Dish: Welcher Modifikator formt das charakteristischste Porträtlicht?
- Warum verkaufen Sie Nutzungsrechte und keine „Bilder“?
- Wie berechnet man den Preis für einen Total-Buy-out, ohne sich unter Wert zu verkaufen?
Warum sterile Stockfotos das Vertrauen potenzieller Bewerber zerstören?
Sterile Stockfotos sind im Employer Branding mehr als nur eine unkreative Wahl; sie sind ein aktives Misstrauenssignal. Wenn ein Unternehmen auf generische, perfekt ausgeleuchtete Models zurückgreift, um seine „Kultur“ darzustellen, sendet es eine klare Botschaft: Wir haben entweder keine echte Kultur, die es wert ist, gezeigt zu werden, oder wir sind nicht bereit, in deren authentische Darstellung zu investieren. Für Top-Talente, die nach einem echten „Cultural Fit“ suchen, ist dies ein rotes Tuch. Es erzeugt eine Dissonanz, die den gesamten Recruiting-Funnel untergräbt.
Die Datenlage hierzu ist eindeutig. Laut einer Stepstone-Studie sind nur 36 % der BewerberInnen der Meinung, dass sich Unternehmen als authentische Arbeitgeber präsentieren, obwohl genau diese Authentizität ein entscheidender Faktor ist. Ein Unternehmen, das echte Mitarbeiter in ihrem tatsächlichen Arbeitsumfeld zeigt, liefert einen greifbaren Beweis für seine Kultur und Werte. Stockfotos hingegen sind leere Hüllen, die Misstrauen säen und Bewerber abschrecken, bevor der erste Kontakt überhaupt stattgefunden hat. Sie agieren als Konversions-Killer auf Ihrer Karriereseite. Interessanterweise zeigt eine Studie der Jobplattform Joblift, dass zwar rund 52 % der Berufsanfänger Fotos nicht als essenziell für die Bewerbung selbst ansehen, was jedoch im Umkehrschluss bedeutet: Wenn ein Unternehmen Fotos einsetzt, müssen diese eine hohe Relevanz und Glaubwürdigkeit besitzen, um die skeptische Haltung zu überwinden und einen positiven Effekt zu erzielen.
Der Verzicht auf Stockfotos und die Investition in authentische Mitarbeiterporträts ist somit keine Stilfrage, sondern eine fundamentale Geschäftsentscheidung zur Steigerung der Bewerberqualität und zur Senkung der Cost-per-Hire.
Wie organisiert man ein Shooting für 50 Mitarbeiter an einem Tag ohne Betriebsunterbrechung?
Die Organisation eines Fotoshootings für eine grosse Anzahl von Mitarbeitern gleicht einer militärischen Operation. Die grösste Herausforderung ist nicht die Fotografie selbst, sondern die Minimierung der Betriebsunterbrechung. Jede Minute, die ein Mitarbeiter vom Arbeitsplatz fernbleibt, generiert Opportunitätskosten. Eine schlechte Planung kann schnell zu Chaos, Frustration und einem negativen ROI für das gesamte Projekt führen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer minutiös geplanten Logistik und einer klaren Kommunikation.
Ein professioneller Fotograf wird gemeinsam mit der HR-Abteilung einen detaillierten Zeitplan erstellen, oft visualisiert in einer Shooting-Matrix. Diese Matrix plant nicht nur, wann welcher Mitarbeiter fotografiert wird, sondern berücksichtigt auch Pufferzeiten, Abteilungszusammenhänge und die räumliche Verteilung der Mitarbeiter im Gebäude. Ein mobiler „Fotopoint“ kann beispielsweise von Etage zu Etage ziehen, um die Wege für die Mitarbeiter zu minimieren. Die Kommunikation erfolgt Wochen im Voraus mit klaren Anweisungen zu Zeit, Ort, Dresscode und dem Zweck der Fotos. So wird sichergestellt, dass jeder Mitarbeiter vorbereitet ist und der Zeitplan eingehalten werden kann.

Eine solche strukturierte Vorgehensweise verwandelt das Shooting von einer potenziellen Störung in einen effizienten Prozess. Indem der Fotograf zum Mitarbeiter kommt und nicht umgekehrt, und indem jeder Slot exakt getaktet ist, kann ein Shooting für 50 Personen an einem einzigen Tag durchgeführt werden, wobei die Abwesenheit jedes Einzelnen auf 10-15 Minuten begrenzt wird. Dies ist ein entscheidender ROI-Hebel, der den Wert der Investition maximiert, indem er die versteckten Kosten der Betriebsunterbrechung auf ein Minimum reduziert.
Letztendlich ist die Organisation des Shootings der erste Beweis für die Professionalität, die die Fotos später ausstrahlen sollen. Ein reibungsloser Ablauf signalisiert Wertschätzung gegenüber der Zeit der Mitarbeiter und setzt den Ton für hochwertige Ergebnisse.
Studio-Hintergrund oder Arbeitsumgebung: Was passt besser zu einem Tech-Startup?
Die Wahl des Hintergrunds ist eine der grundlegendsten strategischen Entscheidungen bei der Erstellung von Mitarbeiterfotos. Für ein Tech-Startup ist diese Frage besonders kritisch, da sie direkt die Kernbotschaft des Employer Brandings beeinflusst. Soll die Skalierbarkeit und Professionalität des Produkts durch einen cleanen Studio-Hintergrund betont werden? Oder soll die agile, kollaborative und oft chaotische Kultur durch Aufnahmen in der realen Arbeitsumgebung hervorgehoben werden? Es gibt keine pauschal richtige Antwort; die Entscheidung muss sich an der gewünschten Markenidentität ausrichten.
Ein neutraler Studio-Hintergrund bietet maximale Flexibilität und Zeitlosigkeit. Die Fotos sind universell einsetzbar – für die Website, für Print-Broschüren, für Presse-Kits – und werden nicht durch ein veraltetes Büro-Design oder temporäre Projekte im Hintergrund datiert. Dies signalisiert Stabilität und Produktfokus. Aufnahmen in der Arbeitsumgebung hingegen sind ein starkes Statement für Authentizität und Kultur. Sie zeigen potenzielle Bewerber, wo und wie sie arbeiten würden, und fangen die Energie und Dynamik des Teams ein. Wie es KÜHNAPFEL FOTOGRAFIE treffend formuliert: „Wenn Sie sich und Ihr Team mit authentischen Bildern präsentieren möchten, also einen echten Eindruck von Ihrem Unternehmen vermitteln wollen, dann sollten die Fotos in Ihren Firmenräumen entstehen.“
Die folgende Tabelle fasst die strategischen Überlegungen zusammen, die ein Tech-Startup bei dieser Entscheidung leiten sollten:
| Aspekt | Studio-Hintergrund | Arbeitsumgebung |
|---|---|---|
| Botschaft | Skalierbarkeit & Produktfokus | Kultur & Kollaboration |
| Flexibilität | Vielseitige Verwendung (Print, Web, Messe) | Authentischer Eindruck des Arbeitsplatzes |
| Mitarbeiterwohlbefinden | Neutraler, professioneller Look | Gewohnte Umgebung = entspanntere Ergebnisse |
| Zukunftssicherheit | Zeitlose Aufnahmen | Aktuelle Bürokultur dokumentiert |
Für ein junges Tech-Startup könnte ein hybrider Ansatz die beste Lösung sein: Einheitliche Porträts vor einem neutralen Hintergrund für die offizielle Team-Seite, ergänzt durch dynamische Reportage-Aufnahmen aus dem Arbeitsalltag für die „Über uns“-Seite und Social Media. Dies kombiniert Professionalität mit greifbarer Authentizität.
Das Risiko fehlender Model-Release-Verträge bei ausscheidenden Mitarbeitern
Einer der grössten und teuersten Fehler im Umgang mit Mitarbeiterfotos ist die Vernachlässigung der rechtlichen Absicherung. Viele Unternehmen gehen fälschlicherweise davon aus, dass sie die Fotos ihrer Mitarbeiter uneingeschränkt nutzen dürfen. Dieses Versäumnis wird zur finanziellen Zeitbombe, sobald ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt – insbesondere im Unfrieden – und die Löschung seiner Bilder von der Website, aus Broschüren und von Social-Media-Kanälen verlangt. Ohne eine schriftliche Vereinbarung (Model-Release-Vertrag) hat das Unternehmen oft keine rechtliche Handhabe und muss kostspielige Massnahmen ergreifen.
Das Entfernen der Bilder ist oft der geringste Aufwand. Wirklich teuer wird es, wenn bereits gedruckte Broschüren, Messewände oder Marketingmaterialien vernichtet und neu produziert werden müssen. Im schlimmsten Fall drohen rechtliche Auseinandersetzungen und Schadensersatzforderungen. Die DSGVO hat die Zähne des Gesetzes hier weiter geschärft. So musste beispielsweise ein spanisches Unternehmen ein Bussgeld in Höhe von 6.000 € zahlen, weil es Mitarbeiterfotos ohne entsprechende Einwilligung veröffentlicht hatte. Dies ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein ernstzunehmendes Compliance-Risiko.

Ein Model-Release-Vertrag ist die einzige professionelle Lösung für dieses Problem. Dieses Dokument regelt unmissverständlich, wie, wo und wie lange die Fotos des Mitarbeiters genutzt werden dürfen. Es räumt dem Unternehmen ein klares, oft zeitlich und räumlich unbeschränktes Nutzungsrecht ein und schützt es vor zukünftigen Forderungen. Die Unterzeichnung eines solchen Vertrags vor dem Fotoshooting sollte ein standardisierter und nicht verhandelbarer Teil des Onboarding-Prozesses für die Teilnahme am Shooting sein. Es verwandelt ein potenzielles rechtliches Risiko in ein sicher verwaltetes visuelles Asset.
Die Kosten für die Erstellung einer rechtssicheren Vertragsvorlage sind marginal im Vergleich zu den potenziellen Kosten eines einzigen Rechtsstreits. Es ist eine Investition in die rechtliche Stabilität Ihres Employer Brandings.
Wie passt man Business-Porträts für LinkedIn, Website und Print-Broschüren optimal an?
Ein professionelles Business-Porträt ist ein wertvolles Asset, aber sein voller Wert entfaltet sich erst, wenn es für jeden Kanal optimal aufbereitet wird. Ein Foto, das auf LinkedIn brillant aussieht, kann auf der Unternehmenswebsite unpassend wirken oder in einer Print-Broschüre technisch unbrauchbar sein. Die Nichtbeachtung dieser medien-spezifischen Anforderungen führt zu einem erheblichen ROI-Verlust, da die teuer erstellten Assets ihre Wirkung nicht entfalten können. Die strategische Anpassung ist der Schlüssel zur Maximierung der Investition.
Der positive Effekt einer professionellen visuellen Präsentation ist messbar. So erhielten beispielsweise ‚Österreichs Beste Arbeitgeber 2019‘ im Durchschnitt 48 Bewerbungen auf eine Stellenausschreibung, während es bei nicht ausgezeichneten Unternehmen nur 35 waren. Eine professionelle und durchdachte Darstellung, zu der auch die kanal-spezifische Aufbereitung von Bildern gehört, trägt zu diesem Erfolg bei. Ein professioneller Fotograf wird diese Anforderungen bereits während des Shootings berücksichtigen, indem er Fotos mit unterschiedlichen Blickrichtungen und ausreichend „negativem Raum“ für Text-Overlays aufnimmt. Nach dem Shooting müssen die finalen Bilder in verschiedenen Formaten, Auflösungen und Farbräumen bereitgestellt werden.
Checkliste zur optimalen Bildanpassung
- Vorgaben definieren: Klären Sie vor dem Shooting, ob es bereits spezifische Vorgaben zu Formaten (z.B. 1:1 für Avatare, 16:9 für Website-Banner) oder Farbräumen (sRGB für Web, CMYK für Print) gemäss Ihrer Corporate Identity gibt.
- Kontext bereitstellen: Zeigen Sie dem Fotografen Entwürfe der Website oder Broschüre. So kann er direkt mit passender Blickrichtung und Freiräumen für Headlines oder Logos fotografieren, um spätere Layout-Probleme zu vermeiden.
- Kanal-spezifische Formate ableiten: Stellen Sie sicher, dass Sie von jedem Porträt Varianten erhalten. Typische Formate sind quadratisch (1:1) für LinkedIn-Profile, Querformate (16:9) für Website-Header und Hochformate (4:5) für Social-Media-Feeds.
- Technische Spezifikationen beachten: Für Print-Produkte ist eine Auflösung von mindestens 300 dpi im CMYK-Farbraum unerlässlich. Für Web-Anwendungen sind 72 dpi im sRGB-Farbraum ausreichend und sorgen für schnellere Ladezeiten.
- Bildästhetik abstimmen: Entscheiden Sie im Vorfeld, ob die Fotos eine starke Hintergrundunschärfe (Bokeh) für einen fokussierten Look haben sollen oder ob Details der Arbeitsumgebung sichtbar bleiben sollen, um Kontext zu geben.
Die Anpassung ist kein technisches Nachspiel, sondern ein integraler Bestandteil der Strategie. Nur so wird aus einem guten Foto ein hochwirksames Kommunikationsinstrument, das über alle Kanäle hinweg konsistent zur Stärkung der Arbeitgebermarke beiträgt.
Softbox oder Beauty Dish: Welcher Modifikator formt das charakteristischste Porträtlicht?
Auf den ersten Blick mag die Wahl zwischen einer Softbox und einem Beauty Dish wie eine rein technische Feinheit für Fotografen erscheinen. Aus der Perspektive des Employer Brandings ist diese Entscheidung jedoch von strategischer Bedeutung. Der Lichtformer, der das Blitzlicht modelliert, bestimmt massgeblich den Charakter des Lichts und damit die emotionale Wirkung des Porträts. Er entscheidet, ob eine Person als nahbar und offen oder als fokussiert und entschlossen wahrgenommen wird. Die Wahl des Lichts ist somit eine direkte Übersetzung der Markenpersönlichkeit in eine visuelle Sprache.
Wie der Experte Boris Baldinger betont, ist Licht ein „entscheidender Faktor für die Markenwahrnehmung“. Er unterstreicht, dass die Wahl des Lichtformers direkt beeinflusst, wie Betrachter das Unternehmen und seine Mitarbeiter wahrnehmen – „von nahbar bis autoritär“. Eine Softbox erzeugt ein sehr weiches, flächiges Licht mit sanften Schatten. Dieses Licht ist schmeichelhaft und wirkt offen, kollaborativ und zugänglich. Es eignet sich perfekt für allgemeine Teamfotos oder für Unternehmen, die eine flache Hierarchie und eine offene Kommunikationskultur signalisieren wollen. Ein Beauty Dish hingegen erzeugt ein kontrastreicheres, gerichteteres Licht mit definierten Schatten. Es modelliert das Gesicht stärker und erzeugt einen „punchigen“, hochwertigen Look. Dieses Licht signalisiert Kompetenz, Entschlossenheit und Fokus. Es ist die ideale Wahl für die Porträts der Geschäftsführung, von Key-Speakern oder für Marken, die sich als Premium- oder Innovationsführer positionieren.
Die folgende Gegenüberstellung verdeutlicht, wie die technische Wahl des Lichtformers die Markenbotschaft formt:
| Charakteristik | Softbox | Beauty Dish |
|---|---|---|
| Lichtqualität | Weich, gleichmässig verteilt | Kontrastreich mit definiertem Übergang |
| Markenpersönlichkeit | Zugänglich, kollaborativ, offen | Fokussiert, hochwertig, edgy |
| Emotionale Wirkung | Vertrauen und Offenheit | Kompetenz und Entschlossenheit |
| Idealer Einsatz | Allgemeine Teamseite | Geschäftsführung, Key-Speaker |
| Schatten | Sehr weiche Schatten | Definierte, aber nicht harte Schatten |
Die Diskussion mit dem Fotografen über Lichtformer ist daher kein technischer Smalltalk, sondern ein strategischer Dialog. Als HR-Manager oder Geschäftsführer müssen Sie nicht die Physik dahinter verstehen, aber Sie müssen formulieren können, welche emotionale Wirkung die Porträts erzielen sollen. Der Fotograf kann dann das passende Werkzeug wählen, um dieses Marken-Signal präzise zu erzeugen.
Warum verkaufen Sie Nutzungsrechte und keine „Bilder“?
Diese Frage markiert den fundamentalen Unterschied zwischen einem Amateur- und einem professionellen Geschäftsverständnis in der Fotografie. Wer glaubt, „Bilder zu kaufen“, unterliegt einem kostspieligen Missverständnis. Nach dem Urheberrecht ist der Fotograf stets der Urheber seines Werks. Was ein Unternehmen erwirbt, ist kein physisches Bild, sondern eine Lizenz – das Recht, dieses Werk unter bestimmten Bedingungen zu nutzen. Das Verständnis dieses Prinzips ist entscheidend für ein sauberes Vertrags- und Asset-Management.
Ein Fotograf verkauft Lizenzen, weil das Urheberrecht ihm die alleinige Verfügungsgewalt über sein Werk gibt. Er kann entscheiden, wer sein Foto, wie, wo und wie lange nutzen darf. Wie das JuraForum hervorhebt, bedarf die Übertragung von Nutzungsrechten einer gesonderten Vereinbarung, in der „Absicht, Dauer, Ort und Zweck … genau zu definieren“ sind. Diese Lizenzierung ermöglicht eine faire und flexible Preisgestaltung. Eine unbegrenzte, weltweite Nutzung für alle Zwecke (ein sogenannter „Total Buy-out“) ist naturgemäss teurer als eine Lizenz, die auf die Nutzung auf der Unternehmenswebsite für zwei Jahre beschränkt ist.
Dieses Modell schützt beide Seiten. Der Fotograf behält die Kontrolle über sein geistiges Eigentum und wird für den gewährten Nutzungsumfang fair entlohnt. Das Unternehmen als Kunde erwirbt ein klar definiertes visuelles Asset mit einem präzisen Nutzungsprofil und zahlt nur für die Rechte, die es tatsächlich benötigt. Würde der Fotograf das „Bild“ (also das Urheberrecht selbst) verkaufen, würde er die Kontrolle über sein Werk für immer verlieren – eine Handlung, die kein professioneller Kreativer eingehen würde, es sei denn zu einem extrem hohen Preis.
Wenn Sie also das nächste Mal mit einem Fotografen verhandeln, sprechen Sie nicht über den „Preis pro Bild“. Sprechen Sie über den „Preis für die benötigten Nutzungsrechte“. Dieser Wandel in der Terminologie signalisiert Professionalität und führt zu einer klareren, faireren und rechtlich saubereren Geschäftsbeziehung.
Das Wichtigste in Kürze
- Unprofessionelle Mitarbeiterfotos sind ein messbarer Kostentreiber, der das Vertrauen von Bewerbern zerstört und den Recruiting-Prozess verteuert.
- Rechtliche Absicherungen wie Model-Release-Verträge und klare Nutzungsrechtsvereinbarungen sind kein bürokratischer Aufwand, sondern essenzielles Risikomanagement.
- Jede technische Entscheidung bei einem Fotoshooting – von der Location über die Beleuchtung bis zum Bildformat – ist eine strategische Markenentscheidung mit direktem Einfluss auf den ROI.
Wie berechnet man den Preis für einen Total-Buy-out, ohne sich unter Wert zu verkaufen?
Ein „Total Buy-out“ ist der Königsweg der Nutzungsrechte – er gewährt dem Kunden das exklusive, zeitlich, räumlich und inhaltlich unbegrenzte Recht, die erstellten Bilder zu nutzen. Für Unternehmen ist dies verlockend, da es maximale Flexibilität und rechtliche Sicherheit verspricht. Für Fotografen bedeutet es jedoch, den gesamten zukünftigen Lizenzwert eines Bildes auf einen Schlag abzugeben. Die Preisgestaltung für einen solchen Buy-out ist daher eine der komplexesten Kalkulationen und erfordert eine strategische, wertbasierte Herangehensweise, um zu vermeiden, dass sich eine der beiden Seiten unter Wert verkauft.
Die Berechnung ist keine einfache Addition von Posten, sondern eine Multiplikation basierend auf dem Basis-Honorar. Ein gängiges Vorgehen in der Branche ist die Anwendung eines Multiplikators auf die Summe aus Tagesgage und einer Standard-Nutzungslizenz. Dieser Multiplikator kann zwischen dem 5- bis 15-fachen des Basishonorars liegen, abhängig von Faktoren wie der Grösse und Reichweite des Unternehmens, der geplanten Nutzung und den entgangenen Opportunitätskosten für den Fotografen. Ein DAX-Konzern zahlt für einen Buy-out einen deutlich höheren Multiplikator als ein lokales Startup. Es ist entscheidend zu verstehen, dass ein zeitlich und räumlich unbeschränktes Nutzungsrecht an den Fotos den Standard für eine solche umfassende Rechteübertragung darstellt.
Eine faire Kalkulation umfasst folgende Schritte:
- Basishonorar festlegen: Dies ist die Summe aus der Tages- oder Projektgage des Fotografen und den Kosten für eine Standard-Nutzungslizenz (z.B. 5 Jahre Online-Nutzung).
- Multiplikator anwenden: Je nach Unternehmensgrösse, Branche und geplanter Medienreichweite wird ein Faktor (z.B. 10x) auf das Basishonorar angewendet.
- Opportunitätskosten einkalkulieren: Der Fotograf muss bewerten, welche potenziellen zukünftigen Lizenzeinnahmen ihm durch den exklusiven Buy-out entgehen.
- Verhandlungsoptionen anbieten: Professionelle Fotografen bieten oft gestaffelte Optionen an (z.B. 5-Jahres-Lizenz vs. 10-Jahres-Lizenz vs. Total Buy-out), um dem Kunden die Kosten-Nutzen-Relation transparent zu machen.
Die Investition in einen Total Buy-out sollte daher als strategische Entscheidung betrachtet werden, die den langfristigen Wert und die flexible Nutzung eines Kern-Assets der Unternehmenskommunikation sichert. Für eine fundierte Entscheidung, die den Wert Ihrer Marke langfristig schützt, ist eine transparente Verhandlung über den Wert und nicht nur über die Kosten unerlässlich.